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Willkommen bei der Segelfluggruppe Giulini!

Welleneldorado Pfälzer Wald - wie das letzte Jahr endete

Es ist bald wieder soweit, am 23.01.2016 um 17 Uhr findet das alljährliche Wellen- und Hangflugtreffen in Bensheim statt. Als kleinen Vorgeschmack auf die spannenden Vorträge findet ihr in diesem Beitrag einen Artikel unseres Segelflugreferenten Peter Franke, der sowohl seine eigenen Erfahrungen des letzten Jahres, als auch den großartigen Höhenflug von Tomek Ziarko und dessen Flugbericht einbindet. Ebenso findet ihr im Anhang die Tagesordnung des Treffens.

Welleneldorado Pfälzer Wald


Ich war schon immer vom Wellen- und Hangfliegen fasziniert. Allerdings habe ich etliche Jahre gebraucht, bis ich in den Genuss des Wellenfliegens gekommen bin. Das war für mich der Auslöser, dass Wellen- und Hangfliegen systematischer anzugehen. Ziel war es dem Nachwuchs die Faszination des dynamischen Segelfliegens zu zeigen und Ihn mit erfahrenen Segelfliegern an die Thematik heranzuführen. Das Dannstadter Wellen- und Hangflugprojekt war 2008 geboren.
Was eigentlich nur für die Dannstadter Nachwuchspiloten gedacht war, hat sich schnell herumgesprochen und entwickelte sich zu einer festen Größe in der Rhein-Neckar-Region. Die Wormser, Grünstädter und Bensheimer Segelflieger wurden auf das Dannstadter Wellenprojekt aufmerksam. Es wurden Informationen ausgetauscht und Flugtage organisiert. Einmal im Jahr trafen wir uns zuerst in Dannstadt und später aus Platzmangel bei den Bensheimer Segelfliegern. An dieser Stelle ein Herzliches Dankeschön an alle Bensheimer Segelflieger für die hervorragende Organisation und Bewirtung.
Ein Wellenflug-Mailverteiler diente als Wellenalarm und Informationsaustausch. Nach einigen Jahren wurde in Facebook die Gruppe der „Wellen- und Hangflugverrückten“ von Hans Buhlmann gegründet. Schnell wurde der Mailverteiler durch das neue Medium abgelöst. Flugtage sind leichter zu organisieren und Informationen über Wetterlagen etc. werden in Echtzeit ausgetauscht. Es kam wie es kommen musste….
Uns war klar, dass am Pfälzer Wald Höhen von 5000-6000 m möglich sein sollten. Jochen Polz und Tomek Ziarko haben am 5.02.2011 eindrucksvoll 7000 m erflogen. Die Jahrhundertwelle war geboren. Das wird wohl das Maximum gewesen sein….

...Flugbericht vom 14.11.2015 und 15.11.2015:


Meine Tochter Lena (14 Jahre-Im Sommer freigeflogen) liegt mir schon seit Monaten mit: „Wir müssen unbedingt mal zusammen Welle fliegen“ in den Ohren.
Der Samstag versprach eine brauchbare Wellenlage. Klaus und ich (die Väter) haben die Schulungsdoppelsitzer klar gemacht, während die Töchter (Juli und Lena) im Theorieunterricht gebüffelt haben. Um 13:30 Uhr waren wir endlich in der Luft. Die Welle war am Samstag relative schwach. Die Steigwerte bewegten sich zwischen 0,2 und 1,0 m/s. Brauchbare Steigwerte fanden sich nur an den üblichen starken Stellen (A65 Ausfahrt Deidesheim und Wachenheim/ Bad Dürkheim. Immerhin ging es auf ca. 2750 MSL. Juli und Lena waren begeistert. Schnell war klar, dass sonntags auch geflogen werden musste. Paul war der nächste Kandidat. Die Wetterlage, die RASP-Wellenvorhersage und die hohen Windgeschwindigkeiten ähnelten der Jahrhundertwelle 2011. Schnell noch die RASP-Karten im Facebook veröffentlicht. Jeder, der schon einmal einen Wellenalarm über Facebook (Wellen- und Hangflugverrückte) veröffentlicht hat, macht sich natürlich Gedanken, ob die Einschätzungen richtig sind. Immerhin verlassen sich Segelfliegerkameraden auf unsere Tipps und reisen z.T. aus Belgien an. Mich beschäftigt diese Frage auch an diesem Abend.
Schon während der Fahrt auf dem Flugplatz beobachte ich das Wetter. Die Föhnlücke ist nicht klassisch ausgeprägt und die erhoffte Wolkenwurst im Rheintal blieb auch aus. Allerdings ist es nahezu Wolkenlos bis zur A61. Hoffentlich klappt das heute. Über Facebook kommt die Meldung von 60 km/h Wind am Boden. Ich werde unsicher, ob die ASK 13 das richtige Gerät ist. Am Flugplatz angekommen, haben die Gäste bereits aufgebaut und unsere Jungen Wilden starten gerade. Als die ASK 13 unten am Start steht, landet Jan wieder mit seiner LS7. Naja, das sieht nicht nach einem sehr guten Tag aus. War ich zu optimistisch? Oje, ich denke kurz an meinen Wellenalarm in Facebook „… egal….sind selbst erfahrene Segelflieger und für sich selbst verantwortlich….“ denke ich mir und verwerfe meine Zweifel. Wenn es nicht klappt habe ich einen schönen F-Schlepp bei widrigen Wetterbedingungen gemacht und das erhält zumindest den Trainingsstand. Kein Start ist für umme…
Paul macht sich bereit und wir starten endlich. Paul ist ein sehr guter Flugschüler, aber die Verwirbelungen an den Hallen erfordern höchste Konzentration. Schotti schleppt uns wie üblich in Richtung Deidesheimer Ausfahrt A65/B271. In 1000m überfliegen wir die Wolken und die starken Turbulenzen lassen nach. Wir klinken vor den Wolken aus und siehe da, kein Steigen. Wir versuchen mit der ASK 13 gegen den Wind zu verlagern, aber wir kommen kaum vorwärts. In den Rotoren können wir uns eine Weile halten. Wir fliegen mit ca. 220 km/h über Grund zurück zum Platz. Die Windgeschwindigkeit ist enorm. Kaum stehen wir, rollt auch schon Schotti vor die ASK 13. Wir bleiben sitzen und der 2. Versuch folgt. Wir halten uns ein wenig nördlicher. Es wird ruhig und in 1000m haben wir im Schlepp 5m/s steigen. Wir sind weiter östlicher als beim ersten Versuch. Instinktive klinke ich aus.  Siehe da, es steigt mit ca. 0,8-1,0 m/s. Wir sind 1-2 km westlich der A61 (Dannstadt/ Hochdorf-Assenheim). Unglaublich, soweit östlich stand die primäre Schwingung noch nie. Im Vergleich zur Jahrhundertwelle 2011 (5 m/s) waren die Steigwerte enttäuschend. Gemütlich steigen wir der FL 100 entgegen. Über Landau geht es ohne Höhenverlust nach Worms. Tomek steigt zur selben Zeit auf 8800 müNN. Kurz vor Charlie Frankfurt drehen wir um und fliegen mit 250 km/h über Grund Richtung Dannstadt. Die Sekundärwelle sieht verlockend aus. Wir testen Sie und steigen auf 2300 m mit 1,5 m/s. In 2300 m haben wir ca. 100 km/h Gegenwind. Wir sind ca. 12 km östlich des Flugplatzes. Über XCSoar  überprüfe ich unseren Gleitwinkel. Bei 120 km/h (für eine ASK 13 schon schnell) fliegen wir mit einer Gleitzahl von 3. So kommen wir nicht in Dannstadt an. Bei 150 km/h pendelt die Gleitzahl zwischen 6 und 12. Für die 12 km verbraten wir 1500 m. Die lange Landung erfordert noch einmal höchste Konzentration. Sicher und glücklich am Boden erreichen uns die Gerüchte über einen Höhenflug über unglaubliche 9000m.

 

...Flugbericht Tomek Ziarko:


Ich bin in Worms gestartet, mit dem Plan über die sekundäre Welle in das System einzusteigen.
Das hat auch gut funktioniert und ab 1000 m wurde es langsam laminar. In 1300 m stelle ich den Motor gerade über Wolken ab.
Die Steigwerte sind mit 0,8-1,3 m/s sehr schwach aber laut Vorhersage sollte es mit der Höhe besser werden. Der Wind mit ca. 100 kmh ist ungewöhnlich stark und hat eine leicht nördliche Komponente. Nach dem Erreichen von 2400 m entscheide ich mich für den Sprung in die Primärwelle, was mit ca. 700 m Höhenverlust gut gelingt.

In der ersten Welle etwa über Lachen geht es bis etwa 3700m mit max. 1m/s.
Eigentlich ein sehr schwaches Steigen aber angespornt durch andere Piloten in FL210, war Geduld der Schlüssel zum Erfolg.
Ab 4000 m verbessert sich das Steigen auf über 2 m/s.
5100 m - 2,4 m/s; 6800 m - 2,1 m/s; 7000 m - 2,4 m/s; 7500 m - 2,3 m/s; 7900 m - 2,3 m/s.
Diese Steigwerte sind bei den Höhen unfassbar und es geht nach der Devise je höher desto besser.
Ab 8000 m stieg es langsamer aber immer noch mit 1,2-1,6m/s schneller als unter 3000m!
Bis 8000 m bekomme ich von den Fluglotsen die Höhenfreigaben sofort. Jetzt wird es etwas schwieriger, da eine Koordination mit Lotsen vom Flugraum „Rhein“ erforderlich ist.
In 8000 m muss ich etwa 12 min auf eine weitere Freigabe warten.
In 8600 m dasselbe Spiel: Warten ist angesagt. Dieses ist sehr Nervenraubend. Ich ziehe die klappen und fliege etwas vor um die Höhe zu halten, und die Spannung steigt.
Endlich nach weiteren 7 min, die sich eher wie 7 Stunden anfühlen, bekomme ich eine weitere Freigabe für FL 300!
Plötzlich bekomme ich in etwa 8900 m körperliche Probleme. Mir geht es nicht gut und ich breche den Steigflug ab.

Ich entscheide mich nach Süden zu fliegen, hoffend, dass eine Freigabe nach Frankreich zum nächsten Wellensystem in die Vogesen möglich ist.
Die Lotsen lassen mich bis zur französischen Grenze fliegen. Dort muss ich warten. Nach etwa 15-20 min bekomme ich doch keine weitere Freigabe und durfte die Grenze nicht überfliegen.

Mir blieb nichts anderes übrig, als in die Hauptwelle zurückzufliegen. Über Lachen treffe ich in etwa 6500 m eine sehr starke Welle. Ich peilte noch einmal die 9000m Marke an. In FL 280 muss ich über 10 min warten und nach mehreren Diskussionen bekam ich endlich die Freigabe auf FL 300.
Es geht etwas langsamer mit 1 m/s, da der Kontroller mich nur am nördlichsten Wellenrand steigen ließ.  
In 8970 m bleibt mein LX stehen...
Endlich erobere ich die 9000 m Marke. Meine körperliche Verfassung zwingt mich aufzuhören.
Die Welle reichte nach meiner Einschätzung locker bis über 10000 m.

Ein schneller abstieg folgte und ich nutzte die Höhe, um etwas nach Süden zu fliegen.
Auf dem Rückweg nutzte ich die Sekundärwelle. Noch einmal genüsslich an der Wolkenwurst entlangfliegen. Das macht Spaß!
Kurz vor Sonnenuntergang lande ich in Worms. Was für ein Tag!

 ----- Die Ausrüstung ------
Der Flug wurde mit Nasenkanülen und zwei parallel geschalteten EDS gemacht.
Ich hatte eine 3l Sauerstoffflasche geleert.
Als Back-up wurde eine 5l O2 Flasche als autarkes System verwendet.



Wer hätte gedacht, dass solche Flüge möglich sind. Diese Rekordflüge sind aber nur möglich, weil die Fluglotsen der DFS uns als verlässliche Partner ansehen. An dieser Stellen ein riesen Dankeschön im Namen aller Wellenflieger an die Lotsen. Ohne Sie wären diese Rekordflüge nie zustande gekommen. Vielen Dank !
Die Flüge haben aber auch eine Diskussion über gesundheitliche Risiken in den einschlägigen Internetforen ausgelöst. Die Diskussionen waren nicht immer Faire, führen aber hoffentlich dazu, dass Flüge ab Höhen jenseits der 5000 m nur mit einer sehr guten Vorbereitung, mit echter Demut und nicht ohne Sekundärsauerstoffanlage durchgeführt werden. Und denkt daran ab 18900 m (Standardluftdruck) fängt das Blut bei 37° Grad an zu kochen . Ab 5000 m sollte man sich vorher durch einen Flugmediziner beraten lassen.
Die Pfälzer Wellenflieger hoffen auf ein Wellenfenster, um die Höhendiamanten auch ohne Transponder erfliegen zu können. Naja, Träumen ist erlaubt und die nächste
(Weihnachts-)welle kommt bestimmt.

Peter Franke

Zusätzliche Informationen