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Vereinshistorie

Historischer Abriss von Hans-Georg Seitz

Gründungsmitglied, Vorsitzender und Werkstattleiter, später auch Fluglehrer und Ehrenmitglied Am 15.06.1956 treffen sich – initiiert von Karl-Heinz Puder – ca. 25 flugsportbegeisterte Mitarbeiter der Firma Gebr. Giulini GmbH, um sich im Rahmen der Betriebssportgemeinschaft dem Flugsport zu widmen. In der Gründungsversammlung wurden alle wichtigen Posten besetzt. Zusammen mit einem Partnerverein, dem Segelflugsportverein Ludwigshafen e.V., bei dem die Segelfluggruppe Giulini noch bis 1963 Gastmitglied war, wurde bereits Ende Juli gemeinsamer Flugbetrieb auf dem Flugplatz Speyer durchgeführt. 1957 wurde für 6200 DM der erste Doppelsitzer vom Typ „Rhönlerche“ gekauft, in humorvoller Verbundenheit auf Georg ("Schorsch") Seitz im ersten Schulungs-Doppelsitzerden Namen eines umsatzträchtigen Rohstoffs der Fa. Giulini sogleich in „Bauxitlerche“ umgetauft und in der gemeinsamen Grundschulung mit dem Partnerverein eingesetzt.

1958 wechselten beide Fluggruppen – sowohl die damalige Flugsportabteilung der BSG Giulini als auch der SSV Ludwigshafen – und schlugen ihr Domizil auf dem Flugplatz Mannheim-Neuostheim auf. Die älteren Bürger Mannheims haben sicherlich noch die missglückte Landung der Rhönlerche auf der Straßenbahnoberleitung vor Augen, das Bild geisterte damals durch die gesamte Presse.

Ab 1959 flogen beide Fluggruppen auf dem Flugplatz Lilienthal in Lachen-Speyerdorf. Karl-Heinz Puder setzte damals Meilensteine, nicht nur durch seinen beachtenswerten Flug mit der Rhönlerche von Lachen-Speyerdorf nach Pirmasens, sondern auch als erster Fluglehrer der Segelfluggruppe. Doch er schulte nicht nur „seine“ Elfen, auch dem Partnerverein stand er als Fluglehrer zu Verfügung. Darüber hinaus engagierte er sich – zusammen mit dem Vorstand des Partnervereins –Jeder packt im Flugbetrieb mit an bei der Suche nach einem eigenen Fluggelände. Die Eignung verschiedener Areale nahe Neuhofen, Oggersheim, der Kollerinsel bei Otterstadt und bei Dannstadt wurde im Gespräch mit Behörden und Institutionen erörtert.

Mit dem Jahr 1963 fing eine neue Epoche an: Zwar hatte man noch kein geeignetes Fluggelände, doch die Segelfluggruppe änderte ihren Status und wurde ein eingetragener Verein. Somit war man nicht mehr nur Fluggruppe für Mitarbeiter der Firma Giulini, sondern auch offen für alle Flugbegeisterte. Der starke Flugbetrieb von fünf Vereinen und die zusätzliche Nutzung des Fluggeländes durch die französischen Streitkräfte bewog die Segelfluggruppe bald von Lachen-Speyerdorf nach Weinheim zu wechseln. 1964 wurde dann der erste Einsitzer angeschafft, eine Ka 8, heute ein Schulflugzeug, doch damals ein verbreiteter Leistungseinsitzer. Mit dem zweiten Fluglehrer – Fritz Benesch – wurde auch der Schulbetrieb revolutioniert. Die Rhönlerche wurde gegen eine ASK 13 eingetauscht, die noch heute nach inzwischen kleineren und größeren Reparaturen im Schulbetrieb ihren Dienst versieht.

Gerhard Malzacher, Wolfgang Benesch und Karl-Heinz Puder beim Spatenstich zum Bau der Flugzeughalle in DannstadtDas große Ziel, ein eigenes Fluggelände, wurde aber nicht aus den Augen verloren. Nach mehrjährigen Verhandlungen mit Landwirten und Behörden wurde 1970 schließlich auf der Gemarkung Dannstadt bzw. Mutterstadt zusammen mit dem Partnerverein, dem Segelflugsportverein Ludwigshafen, der erste Flugbetrieb auf eigenem Gelände durchgeführt. Das Gelände war von den Landwirten gepachtet, nur ein kleineres Areal konnte direkt gekauft werden. Dort wurden später die Flugzeughalle und das Vereinsheim errichtet. 1974 war die Flugzeughalle dann fertig und das Fluggelände wurde offiziell vom Schirmherr Dr. Helmut Kohl eingeweiht, dem damaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz. Nach nunmehr 18 Jahren seit Bestehen der Gruppe hatte man endlich die Grundvoraussetzungen für den Flugsport, insbesondere dem Leistungssport, geschaffen – eigenes Fluggelände, Halle und Fluggerät. Um dem Leistungsflug neue Impulse zu verleihen, wurde ein Hochleistungseinsitzer vom Typ Ka 6 CR angeschafft.

Georg ("Schorsch") Seitz und Fritz Benesch machen Pause beim BauAls letztes Mosaiksteinchen der Infrastruktur wurde 1977 ein Vereinsheim von den Mitgliedern eigenhändig erstellt. Man hatte ein nicht mehr benötigtes Interimsgebäude der Fa. John Deere in Mannheim zum selbsttätigen Abbau kostenlos erhalten, von dem eine Hälfte am Flugplatz in Dannstadt errichtet wurde. Der Erlös aus dem Verkauf der zweiten Gebäudehälfte diente dann zur Finanzierung der Inneneinrichtung des neuen Vereinsheims.  Dem mittlerweile 60 Mitglieder fassenden Verein ist es bald zum Mittelpunkt des geselligen Vereinslebens geworden und  auch heute noch nach Um- und Ausbau der motorflugzeugfassenden Werkstatt zu bewundern. Nach ca. drei Jahre andauernder Heimarbeit der Mitglieder (Kuvertieren von über 60.000 Briefen für die Fa. Giulini) war der Verein 1978 finanzstark genug, einen Hochleistungseinsitzer mit variablem Profil vom Typ LS 3a zu kaufen. Aber nicht nur der Leistungsflug wurde gefördert, denn mit dem SF Der erste Hochleistungssegler mit verstellbarem Flächenprofil25C „Falke“ wurde 1979 ein Motorsegler erworben, für gemütliches Fliegen von A nach B und natürlich zur Schulung. Der Schritt zu einem eigenen Motorsegler wäre ohne vorhergehende Unterstützung des Partnervereins SSV Ludwigshafen und der Segelfluggemeinschaft Bohlhof in Form der Mitnutzung der vorhandenen Motorsegler nicht möglich gewesen.

Neben Segelflug und Motorsegler hielt 1982 mit dem Erwerb einer Motormaschine vom Typ MS 893A "Morane“ der Motorflug Einzug ins Vereinsleben. Allerdings ist und bleibt der Schwerpunkt der SFG Giulini der Segelflug, was sich auch in der Nutzung der Motormaschine als Schlepp- und als Reiseflugzeug niederschlägt. Mit dem „Dannstadter Vergleichsfliegen“ wurde 1985 zusammen mit dem Partnerverein ein Wettbewerb ins Leben gerufen, bei dem Anfänger an den Leistungsstreckenflug herangeführt werden sollen. Mittlerweile ist das Dannstädter Vergleichsfliegen eine regionale Größe mit vielen Gästen auch von benachbarten Flugplätzen, ohne dass es seinen Charakter als Anfängerwettbewerb verloren hat. Nach „Falke“ und „Morane“ wurde 1986 der Segelflugzeugpark um eine ASW 15b aufgestockt.

Mit dem Verkauf der Ka 6 CR und der Anschaffung eines Kunststoffeinsitzers vom Typ Astir CS wurde 1989 der Umbau des Flugzeugparks eingeleitet. Im Jahr 1990 gab es sogar einen Doppelschlag: Anstelle des Falken wurde ein Kunststoffmotorsegler vom Typ G109b angeschafft, und an der Stelle der „Morane“ stand nun ein Motorflugzeug vom Typ Robin DR300/180R in der Flugzeughalle. Weihnachten 1991 gönnte man sich für die damalige Zeit etwas Besonderes: Nach Abgabe der LS 3a erwarb man einen Twin Astir III, den ersten Leistungsdoppelsitzer des Vereins. Wenig später wurde 1992 auf dem Fluggelände Dannstadt zusammen mit dem Partnerverein die Landesmeisterschaft Rheinland-Pfalz ausgetragen, ein umwerfender Erfolg für die Organisatoren und die Piloten. 1993 wurde der Twin Der Schleppflug mit einem Motorflugzeug ist als Startvariante heute nicht mehr wegzudenkenAstir III dann durch den damaligen Oberbügermeister der Stadt Ludwigshafen, Dr. Werner Ludwig, in der Stadtmitte anlässlich des SpektakuLUm's auf den Namen „Ludwig-s-hafen“ getauft. Außerdem wurde die Motormaschine Robin DR300/180R gegen eine größere Robin DR400/180R getauscht. Die Jugendgruppeorganisierte im Spätjahr das Jugendvergleichsfliegen Rheinland-Pfalz auf dem Fluggelände in Dannstadt und das Jahr 1994 brachte erneut die Austragung der Landesmeisterschaft Rheinland-Pfalz nach Dannstadt. Mit über 40 Teilnehmern wurden neue Maßstäbe in der Kapazität des Fluggeländes gesetzt. Der Segelflugplatz Ludwigshafen-Dannstadt hatte sich zu einem anerkannten Zentrum für Segelflieger entwickelt. Auch die Sicherheit für Besucher wurde im selben Jahr verbessert: Ein "Tower" für die Flugleitung wurde errichtet und mit einer Schrankenanlage am Querweg sowie einer verbesserten Beschilderung war es nun für Fußgänger und Radfahrer einfacher, sich zurecht zu finden.

Nachdem jahrelang auf überwiegend gepachteten Grundstücken gestartet und gelandet wurde, konnten 1995 die beiden Fluggruppen das Kernstück des Fluggeländes gemeinsam erwerben. Die Investition war hoch, doch in beiden Fluggruppen war die Notwendigkeit des Kaufs erkannt worden, um auch in Zukunft Flugbetrieb auf dem Gelände zu gewährleisten. Im Frühjahr 1996 wurde das 40-jährige Jubiläum der SFG Giulini gebührend gefeiert. Mit einem Leistungssegelflugzeug vom Typ H201 „Libelle“ konnte dann 1997 der Flugzeugpark erneut erweitert werden. Der aktuellen Entwicklung folgend, werden 1998 für alle Kunststoffsegelflugzeuge moderne Segelflugrechner und Logger angeschafft. Das Jugendvergleichsfliegen ist im Spätjahr 2000 ein weiteres Mal zu Gast bei der Jugendgruppe in Ludwigshafen-Dannstadt.

Im Jahr 2001 war es möglich den Flugzeugpark durch ein weiteres Hochleistungssegelflugzeug vom Typ LS-8 zu erweitern und 2003 wurde die Libelle schließlich durch eine Hornet C ersetzt. Im gleichen Jahr stellte Norbert Lenz am 3.8.2003 mit seinem Flug über 1033 Kilometer in 10h 2min einen erneuten StreckenrekEin Hochleistungs-Doppelsitzer für den Streckenflugord auf, den ersten Tausender von der Rheinebene aus. Einen besonderen Erfolg konnte dann auch 2005 die Bundesligamanschaft des Vereins mit dem Erreichen des 1. Platzes der 1. Deutschen Segelflug-Bundesliga (OLC) erzielen, der die Vereinsmanschaft bereits seit der Gründung im Jahr 2002 angehört. 2006 feierte die Segelfluggruppe Giulini dann ihr  50-jähriges Bestehen mit einem feierlichen Festakt, zu dem auch Vertreter aus Luftsportverbänden und Politik ihre Glückwünsche übermittelten. Zu diesem Anlass schenkte man sich eine DG 1000 T, mit der der Flugzeugpark um einen Hochleistungs-Doppelsitzer mit Hilfstriebwerk weiter ausgebaut wurde. Im Jahr 2011 waren beide ansässige Vereine erneut Ausrichter der Landesmeisterschaften Rheinland-Pfalz.

Seit nunmehr über 50 Jahren ist die Segelfluggruppe Giulini Ludwigshafen nun aktiv. Sie ist schon lange eine feste Größe in Rheinland-Pfalz, sei es in den jährlich wiederkehrenden Platzierungen in der Mannschaftswertung der DMSt, einem hohen Anteil an aktiven Frauen (im Segelflug und im Verein) oder durch die regelmäßigen Erfolge der Jugendgruppe – die Investition in den Leistungsflug zahlt sich aus. An dieser Stelle sei auf Sandra Malzacher, Deutsche Meisterin in der Clubklasse 2004, und auf Johannes Meyer, Deutscher Meister im Jugendvergleichsfliegen 1998, verwiesen.